Yugoslavian Program Does It All
STeve, which stands for "ST event editor" is an integrated "everything"
program. Written by Primoz Jakopin of Yugoslavia, STeve has built a sizeable
following as it spreads across the continent. There are now over 1,000 STeve
users.
It is difficult to describe STeve because it does so many different things. The
reference manual itself is a 600-page hardback. So here is a list of some of
the features found in version 3.292: a database, a desktop publisher, a word
processor, an image processor (including scanning), a spreadsheet--the list
goes on. The program can be heavily customized by the use of over 30 user
modifiable system tables. But don't let the complexity scare you since
everything is quite clearly laid out.
(Primoz Jakopin, Trnovska 261000, Ljubljana, Yugoslavia, (xxx) xxx-xxx.)
STEVE - Ein Programm für alle Fälle?
Das Problem kennen alle Computerneulinge: Da hat man sich diverse
Computerzeitschriften besorgt (allein im deutschsprachigen Raum gibt es derzeit
80 regelmäßig erscheinende Titel), einige Fachhändler konsultiert (die leider
oft sehr herstellerabhängig argumentieren) und vielleicht auch mal eine Messe
besucht (am besten die CeBIT, denn dort ist das Angebot geradezu unüberschaubar
geworden), und das alles nur, weil man sich einen Computer kaufen wollte. Wenn
nun das gute Stück Hardware zu Hause steht, hören damit die Anfängerprobleme
nicht zwangsläufig auf- ganz im Gegenteil: Dann gilt es zu entscheiden, welche
Software für welchen Zweck und mit welchen weiteren Peripheriegeräten
anzuschaffen ist. Wie gut ist die Software, brauche ich das alles, was sie mir
bietet, oder kann sie etwa nicht all das, was ich mir wünsche?
Gerade die Zeit vor dem Jahreswechsel ist prädestiniert für solche Fragen, denn
für den Hobbyeinsteiger steht das Weihnachtsfest als magisches Datum im Raum,
und der Gewerbetreibende hat triftige Gründe, sich in den letzten Wochen des
alten Jahres (oder manchmal auch in den ersten des neuen) Zeit für Überlegungen
bezüglich Computereinkauf zu nehmen. EDV-Händler haben dann Hochsaison, das
berühmte Jahresendgeschäft bricht herein (im wahrsten Sinne des Wortes).
Professionelle EDV-Berater gehen bei den (weiter oben) genannten Fragen ihrer
Klientel längst nicht mehr nach dem Schema vor: Sage mir, welche Hardware Du
hast, und ich sage Dir, welches Programm darauf läuft. Für einen seriösen
Berater steht das Kundenproblem im Vordergrund, das unmittelbar mit der Frage
nach der passenden Software verknüpft ist. Die Suche nach der richtigen
Hardware ist (glücklicherweise) zweitrangig geworden.
Dann gibt es auch einige Zeitgenossen, die gleich alles mit einem Computer
lösen wollen, was ja nicht unbedingt falsch sein muß. Der Verfasser dieser
Zeilen kennt Beispiele dieser Art aus seiner Zeit als EDV-Fachhändler zur
Genüge. Da gibt es potentielle Kunden, die einen riesigen Wunschzettel in
Sachen Software mit sich herumtragen: Also Textverarbeitung soll' s auf jeden
Fall sein, denn damit schafft man den leichtesten Einstieg in die Computerei
(sagt man). Dann wäre eine Datenbank nicht schlecht (hört man), weil ja die
Schallplattensammlung riesig geworden ist. Wenn ich dann noch das Haushaltsgeld
kalkulieren könnte und auch mal Zeit für auflockernde Bildchen für die nächste
Geburtstagseinladung hätte, das wäre toll (meint man). Vielleicht mache ich
dann auch gleich noch die Mitgliederzeitung vom Taubenzüchterverband, das soll
ja mit 'Desktop Publishing' einfach und leicht zu bewerkstelligen sein (glaubt
man).
Fürwahr, den Anwendungen auf dem Computer sind kaum noch Grenzen gesetzt, wenn
es da nicht die maximal mögliche Ausdehnung des lieben Geldbeutels, "DMmax"
genannt, gäbe. Denn die Wunschvorstellungen bezüglich Software haben die
unangenehme Eigenschaft, daß sie reichlich Geld kosten. Gleichsam muß oft den
Wunschvorstellungen der Nutzer folgend, für jede Anwendung (siehe oben) ein
eigenes Programm angeschafft werden.
Zahlreiche Programmentwickler hat diese Tatsache nicht ruhen lassen. So wollen
sie möglichst viele Programmlösungen in ein Paket zusammenfassen und "DM max"
dabei möglichst gering halten. Der Trend geht mittlerweile dahin, möglichst
viele unabhängige Funktionselemente aus den Bereichen Textverarbeitung,
Datenbank, Grafik, Tabellenkalkulation usw. zu einer "Allround-Lösung"
zusammenzuschnüren, "Integrierte Pakete" genannt.
Hallo, ich bin STEVE!
Seit 1986 gibt es für den Atari ST ein Programmpaket, das völlig zu Unrecht
etwas ins Abseits geraten ist (einige Gründe dafür werden wir gleich noch
betrachten): STEVE, zusammengestellt unter Federführung von Primoz Jakopin,
wohnhaft in der Gegend von Ljubljana, Jugoslawien, vertrieben von der Firma
Kieck-busch. STEVE ist seinerzeit angetreten, für den Atari ST genau das
nachzu-vollziehen, was bekannte Namen aus der MS-DOS-Welt ebenfalls versucht
haben: FRAMEWORK, Open Access, Works usw., allesamt integrierte Pakete.
STEVE bewegte sich ständig im Schatten anderer Namen. Nie hat es die
Popularität erreicht, die andere in der Szene genießen. Ein Grund dafür könnte
sein, daß STEVE keine GEM-Oberfläche aufzuweisen hat. Gerade in einer Zeit, wo
von grafischen Benutzeroberflächen überall geschwärmt wird, fehlen die
typischen Merkmale von GEM. Dies macht sich beim Einstieg in das Programm
bemerkbar. Aber dennoch hat STEVE eine Pull-Down-Menüleiste. Sie wurde von den
Entwicklern völlig losgelöst von den GEM-Konventionen aufgebaut, man hat hier
das Rad (gemeint ist die GEM-Oberfläche) ein zweites Mal erfunden. Ungewöhnlich
ist auch die Art und Weise, wie diese Menüleiste aktiviert werden muß. Drei
Wege gibt es. l.: Man fährt mit dem Cursor über den oberen Bildschirmrand
hinaus bis er verschwindet und fährt viermal hin und her (merkwürdig). 2.: Man
strebt mit dem Cursor die linke oder rechte obere Bildschirmecke an und fährt
über diese Ecke hinaus. 3.: Einfaches Drücken der HELP-Taste.
Die Textverarbeitung
Wer das Nichtvorhandensein von GEM verschmerzt hat, wird bald feststellen, daß
die Möglichkeiten der Tastaturbelegung und der Maus in ungewöhnlicher Art und
Weise ausgeschöpft wurden.
Beispiele für die Maus: Cursor im Text - linke Taste fügt Leerzeichen ein,
rechte Taste löscht Zeichen.
Cursor am Zeilenende - linke Taste fügt Leerzeilen ein, rechte Taste löscht
Zeilen.
Fährt man mit der Maus über den oberen bzw. unteren Bildschirmrand hinaus
- linke Taste blättert um eine Zeile nach oben bzw. unten, rechte Taste um
ganze Bildschirmgrößen.
Das Wandern in einem großen Text kann wahlweise auch über Steuertasten im
Ziffernblock oder über Menüpunkte bewerkstelligt werden. Besonderheit: Im Menü
Durch die Datei startet man zeilen-bzw. seitenweises Blättern, das so lange
automatisch weiterläuft, bis eine Shift-Taste dies unterbricht. Ein kurzes
Bewegen mit der Maus oder das Anschlagen einer beliebigen Taste läßt diesen
Vorgang weiterlaufen. Noch interessanter: der Menüpunkt Zu Position (siehe
Bild). Es erscheinen am rechten Bildrand zwei Säulen, von denen die linke die
gegenwärtige Auslastung des Arbeitsspeichers anzeigt. Das ist sehr wichtig,
wenn ein Hinzuladen von weiterem Text beabsichtigt ist. Der rechte Balken
stellt die relative Gesamtlänge des Textes dar, die gegenwärtige Cursor
-Position im Text sowie eine Wahlmöglichkeit zum Anspringen einer neuen Cursor
-Position. Meine Wertung: sehr nützlich! Darüber hinaus sind solche Steuerungen
auch über CTRL-Sequenzen möglich (darüber später mehr).
STEVE ist also in erster Linie ein Textverarbeitungsprogramm. Zu den größten
Vorzügen des Programms gehören einfache, schnelle Blockoperationen. Um
Markierungen der Blockbegrenzung zu setzen, gibt es ein eigenes Menü: Block. Am
einfachsten lassen sich diese Blockdefinitionen mit Hilfe von Befehlstasten im
Ziffernblock durchführen. Innerhalb eines Blocks sind dann Randausgleich mit
Trennvorschlägen und Flattersatz (quasi das Gegenteil vom Randausgleich)
möglich. STEVE kennt zwei verschiedene Arten von Blockdefinitionen:
1. den Zeilenblock. Das bedeutet, zwischen Anfangs- und Endmarkierung werden
alle Zeilen vollständig, also mit allen Zeichen, in die Blockfestlegung
einbezogen. So arbeiten entsprechende Blockfunktionen aller bekannten
Textverarbeitungsprogramme;
2. den Rahmenblock. Hier wird zwischen' Anfangs- und Endmarke ein Rahmen
gezogen. Das wiederum bedeutet, daß nicht zwangsläufig komplette Zeilen mit
einbezogen sind, wenn die Anfangs- und Endpunkte beispielsweise mitten in den
Textzeilen lagen. Der Rahmenblock trennt regelrecht einen Bildausschnitt aus
dem Text heraus, und Zeilenanfänge bzw. -enden bleiben (wenn außerhalb)
unberücksichtigt. Der so definierte Block erscheint invertiert auf dem
Bildschirm.
Einstellungssache
Von dem Textbereich aus zugänglich sind zwei Dialogboxen, die eigentlich kaum
der Erwähnung wert sind. Banale Dinge verbergen sich dort, die wohl zu jeder
Textverarbeitung gehören. Aber außerdem fallen einige Besonderheiten auf, die
man sonst nicht kennt: Wird der Bildschirm invertiert gewünscht (Buchstaben
weiß, Hintergrund schwarz - nicht unbedingt jedermanns Sache)? Text
komprimieren beim Abspeichern? Soll der Ziffernblock normale Zahlen oder
Befehle auslösen? nach wieviel Zeilen soll eine automatische
Zwischenspeicherung erfolgen? Selbst die Schreibrichtung läßt sich von Rechts
-nach-links auf Links-nach-rechts umschalten (die Araber wird's freuen).
Die Systemtabellen
Zu den erstaunlichsten Einrichtungen dieses Programms gehören die sogenannten
Systemtabellen. Es handelt sich dabei ausschließlich um Textdateien, die
wichtige Systemparameter aufnehmen: Textbausteine sind oft verwendete
Standardformulierungen, wie Briefkopf, Schlußfloskeln oder feststehende
Absätze. Sie können sogar Grafik enthalten. Eine andere Systemtabelle
beinhaltet die Abkürzungen. Dabei handelt es sich um kürzere Texte wie etwa
Anrede, Namenszüge oder markante Überschriften. Sie sind zur späteren
Ausführung über eine kurze Tastenfolge erreichbar, während die Text-bausteine
(etwas umständlicher) mit ihrem vollen Namen über ein Menü anwählbar sind.
Kopf- und Fußzeilen sind feststehende Texte, die am Anfang und am Ende eines
ausgedruckten Blattes stehen sollen. Am bekanntesten dürfte die Seitenzahl
sein, aber es könnten beispielsweise auch eine Kapitelüberschrift, das Datum,
vielleicht ein Autorenname oder gar ein Copyright-Hinweis dort wiedergegeben
werden. Selbst eine Unterscheidung zwischen Seiten mit gerader und ungerader
Seitennummer ist möglich.
Die Weckerdatei kann ebenfalls ein beliebig gestalteter Text mit
Grafikelementen sein, der erst an einem bestimmten Datum zu einer vorgegebenen
Uhrzeit auf dem Bildschirm erscheint.
Wieder interessanter erscheint mir die Systemtabelle mit der Tastaturbelegung.
Alle Zeichen und Symbole, die in der Zeichensatztabelle vorhanden sind, können
Sie hier auf die Tasten legen. STEVE unterscheidet sogar zwischen zwei
Normalbelegungen, die während des Schreibens alternativ eingeschaltet sein
können. Desweiteren sind andere Zeichensätze mit der (gleichzeitig gedrückten)
Control-, der Alternate-Taste, sowie der Kombination Alternate und Shift
erreichbar.
Funktionstastenbelegung kennt man von anderen Programmen sicher zur Genüge.
Außer den bekannten zehn sind hier sogar die linke und rechte Maustaste als
Funktionstasten zu benutzen. Allerdings fallen sie dann für ihre üblichen
Tätigkeiten im Textfenster aus, für die Menüleisten sind sie aber dennoch
wirksam. Die einzige Beschränkung für eine Funktionstasten-bestimmung ist die
maximale Länge von 1796 Zeichen, aber das ist praktisch schon eine volle DIN
-A4-Seite. Sinnvoll wäre es, nicht unbedingt nur Text dort zu deklarieren,
sondern ganze Befehlsfolgen, die zudem noch Textbausteine oder andere Befehle
aufrufen.
Gegenüber anderen Computersystemen hat der Atari ST den großen Vorteil, daß er
seine Bildschirm-Fonts nicht unveränderbar im Festwertspeicher ROM hält,
sondern von außen (üblicherweise beim Systemstart) hinzulädt. Das bedeutet, daß
der Anwender einen direkten Zugriff auf diesen Systemzeichensatz hat. STEVE
selbst bringt schon in der Grundausstattung 10 verschiedene Zeichensätze mit,
die ebenfalls in einer Systemtabelle vorliegen. Unter dem Namen "weitere
Zeichensätze" können unabhängig davon beliebig viele selbst erschaffene
Zeichensätze als weitere Systemtabelle erstellt werden. Auch das Ändern von
Zeichen läßt sich spielend leicht bewerkstelligen, weil die Systemtabellen ja
Textdateien sind.
Es können bis zu 21 Zeichensätze gleichzeitig geladen sein (wer braucht
überhaupt so viele in einem Dokument?), und Sie müssen nicht zwangsläufig auch
alle 256 Definitionsplätze belegen. (Definitionsplätze bedeutet, so viele
verschiedene Tastaturkombinationen sind erlaubt.) Man könnte sogar eine Art
Geheimschrift damit konstruieren, weil zwar der Tastencode beim Drücken einer
Tastaturkombination abgefragt und im Dokument festgehalten wird, aber ein
Bildschirmzeichen vielleicht nicht dafür definiert ist - der Phantasie sind
hier kaum noch Grenzen gesetzt.
Meldung bitte
Eine weitere Systemtabelle stellt die Meldungsdatei dar. Dort ist alles
aufbewahrt, was irgendwann einmal innerhalb des Programmablaufs auf dem
Bildschirm zu sehen sein wird: alle Menüs, alle Dialogboxen, alle Warn- und
Hinweismeldungen. Auch diese Datei steht dem Benutzer zur freien Gestaltung
offen. Weil diese Sache so überaus interessant ist, hier ein kleines Beispiel
für eine solche Meldung:
000001640 m l
Start Block Suchen Druck Layout D-
Bank
00
l..... 2......A3.... 4......C.
I=ral81 2=m3 3=m4 4=m5 A=m207 C=m248
Jede Meldung dieser Datei - und es gibt in der derzeitigen STEVE-Version davon
280 - beginnt mit einer Ziffernfolge, d.h. mit fünf Ziffernpaaren. Sie geben
die Koordinaten an, wo die Meldung auf dem Bildschirm erscheinen soll
(Anfangszeile, -spalte, Höhe und Breite), sowie die fortlaufende Nummer (hier
ml). Als nächstes folgt eine Textzeile, die genauso auf dem Bildschirm sichtbar
sein wird. Darunter finden wir eine Positionsangabe für den Text, also mit 00
beginnend in der obersten Zeile des Bildschirms. Die nächste Reihe mit den
Zahlen und Punkten heißt Invertierungszeile. Die Zahlen fungieren darüber
hinaus aber auch noch als Quellenangabe für die auszuführende Tätigkeit. Die
Nummer gibt also an, was nach dem Anfahren dieses Menübereiches mit der Maus
weiter geschehen soll. Das führt uns zu einer weiteren Zeile, und zwar jener
mit den Befehlsnummern. Dort bedeutet beispielsweise, daß beim Aktivieren des
Menübereiches mit der Befehlsnummer l, identisch mit dem invertierten Text
Start, in die Meldung ml 81 verzweigt werden soll. Diese weitere Meldung kann
entweder eine Textausgabe per Dialogbox, ein Untermenü oder eine Befehlsfolge
(Batch) sein.
Zugegeben, das eben beschriebene Verfahren, in STEVE seine eigenen Menüleisten
in einer einfachen Textdatei zu konstruieren, erscheint für den Anfänger
ungemein kompliziert. Mit etwas Geduld und Übung ist es aber ein leichtes, dies
zu bewerkstelligen, ebenso wie das völlig freie Umgestalten von
Druckertabellen, Formularen oder Bild-Bibliotheken, um nur einige zu nennen.
Was das für ein als offen und flexibel bezeichnetes Programm bedeutet, ist
klar: Man kann individuell das gesamte Aussehen der Programmoberfläche damit
gestalten. Wertung: Geschickte Lösung für alle, die nicht programmieren
können/wollen/sollen.
Sehr übersichtlich sind Positionsanzeige (im Bild rechts) und -wähl (per Maus),
relativ bezogen auf den gesamten Text.
Das Wörterbuch
Ausgangspunkt für zwei nützliche Abteilungen in der Textverarbeitung ist das
integrierte Wörterbuch. Es ist eigentlich nichts anderes als eine besonders
aufgebaute Datenbankdatei, die parallel zum Text hinzugeladen wird. Sie dient
uns zunächst als Rechtschreibhilfe.
Über ein entsprechendes Menü eingeschaltet, lauert sie als "Online-Prüfung"
während des Schreibens im Hintergrund und macht sich nach jedem unbekannten
Wort mit einem akustischen Signal ("Fing!") bemerkbar. Jetzt kann man aber
nicht gleich weiterschreiben. STEVE wünscht beharrlich die Korrektur dieses
Wortes (wenn falsch) oder die unmittelbare, automatische Übernahme in die
Wörterbuchdatei mittels Return-Taste (wenn unbekannt). Nachteil dieses
Verfahrens: Es hemmt den Schreibfluß der Tastenakrobaten (roter Faden und so
...) und zwingt ständig zum Drücken der Return-Taste.
Eine andere Möglichkeit stellt die nachträgliche Überprüfung des Textes nach
dessen Fertigstellung dar. Dabei rast der Prüfalgorithmus durch das gesamte
Dokument und kennzeichnet jedes unbekannte Wort mit einem Sternchen. Dieses
Symbol kann man übrigens in einer Systemtabelle frei definieren. Großer
Nachteil dieser Vorgehensweise ist, daß die unbekannten Wörter nun nicht mehr
automatisch in die Wörterbuchdatenbank übernommen werden. Meine Empfehlung für
beide Verfahren: durchaus lobenswerter Grundgedanke, aber die Handhabung und
Funktionsweise sind überarbeitungsbedürftig. Übrigens, auf Diskette wird eine
Wörterbuchdatei mit 35000 deutschen Begriffen mitgeliefert.
Ein etwas anders gestaltetes Wörterbuch versteckt sich hinter dem Menüeintrag
Übersetzung. Wo das Rechtschreibwörterbuch lediglich auf unbekannte Wörter
gelauert hat, folgt jetzt etwas, das wie Suchen und Ersetzen funktioniert. Mit
der Übersetzungsfunktion kann nämlich von einer Sprache in eine andere
übersetzt werden. Eine kleine Beispieldatei Englisch/Deutsch befindet sich
ebenfalls auf Diskette. Man darf sich bei dieser Einrichtung aber keiner
Illusion hingeben, es wird eben nur Wort-für-Wort übersetzt; ob dann der
stilistische Satzbau, die orthografische Konstruktion und die Wortbedeutung im
Sinnzusammenhang überhaupt richtig sind, bleibt sehr fraglich. STEVE möchte
hier auch nur eine kleine Hilfe sein und keine ausgefeilte Übersetzungroutine
liefern (das wäre wohl wirklich etwas zuviel verlangt). Wertung: So lobenswert
die Idee einer solchen Übersetzungshilfe auch sein mag, es bleibt dahingestellt
ob sie wirklich sinnvoll einsetzbar ist.
Die Datenbank
Wenn in der Überschrift die Frage gestellt wurde, ob STEVE wirklich ein
Programm für alle Fälle sei, dann darf eine Programmgattung wirklich nicht
fehlen: die Datenbank. Eine Textverarbeitung macht doch sicherlich in
Kombination mit Datenbankfunktionen den meisten Sinn. Man denke doch nur an
Serienbriefe. Gibt es denn noch einen Anwenderkreis, der Briefe z war mit einer
Textverarbeitung erstel1t, hernach aber die Anschriften mittels Adreßaufkleber
anheftet? Welche Textverarbeitung kann denn noch keine Serienbriefe
verarbeiten? Auf den Müll damit!
Die Vorgehensweise ist hinlänglich bekannt. Eine Datenbank besteht in aller
Regel aus einer Bildschirmmaske, die alle Feldnamen zeigt. Hinter den Feldnamen
ist dann immer etwas Platz freigehalten, um die Daten (Feldinhalte bzw.
Feldeinträge) aufnehmen zu können. STEVE bleibt auch hier seinem Prinzip treu:
der Konstruktion von Bildschirmmasken über das Anlegen einer Systemtabelle als
normaler Text.
Wer nun mit dem Zusammenbau der Maske zufrieden ist, wird üblicherweise die
Freiräume mit Daten füllen wollen. Jetzt macht sich eine Besonderheit von STEVE
bemerkbar. Die Eingabemenge, d.h. die Feldgröße, ist nicht von dem vorher
definierten Abstand der einzelnen Feldnamen abhängig. Wenn ein Datenfeld mehr
Information als vorgesehen aufnehmen muß, fügt das Programm einfach weitere
Leerzeilen ein, und die anderen Felddefinitionen verschieben sich nach unten.
Dieses Prinzip der flexiblen Datenfeldgröße ist bei den bekannten
Datenbankprogrammen (meist Vertreter des relationalen Modells) nicht üblich und
wird erst seit jüngster Zeit von neueren Schöpfungen verwandt. Ein Wort zum
Fassungsvermögen: Ein Datensatz kann bis zu 500 Felder enthalten, die bis
maximal 15000 Zeichen umfassen dürfen. Ansonsten ist die Kapazität nur durch
die Größe des Speichermediums begrenzt (wer arbeitet noch ohne Festplatte?).
Interessant ist auch, wie STEVE die Daten abspeichert. Alle Leerzeichen
zwischen dem Eintrag und dem Beginn des nächsten Feldes verschwinden. Es wird
also wichtige Speicherkapazität eingespart. Natürlich genügt das Eingeben und
Speichern von Datenfeldinhalten bei weitem nicht, man möchte doch gerne auf
geschickte Art und Weise die Datensätze verwaltet wissen und besonders schnell
gesuchte ausfindig machen. Jetzt wird der Ziffernblock mit Leben erfüllt.
Wichtige Bewegungen in der Datenbankdatei sind über eine Zweitbelegung des
Ziffernblocks ausführbar.
Ein Datenbanksystem kommt selbstverständlich nicht ohne Sortierfunktion aus.
Zur Festlegung des Sortierkriteriums lassen sich bis zu 5 Feldnamen angeben,
die unabhängig steigend oder fallend durchschritten werden. Dieses Verfahren
nennt man "verschachtelte Sortierung", d.h. es werden erst alle gleichen
Inhalte von Feld l (z.B. Postleitzahl) entsprechend der Sortierrichtung
(fallend oder steigend) zusammengetragen, dann startet innerhalb dieser
gleichen Inhalte ein zweiter Sortierdurchgang (z.B. Familienname) usw.
STEVE hat eine Datenbankdatei mit 3 Bytes langen Indikatoren angelegt, jeder
davon enthält die Startadresse eines Datensatzes. Zum Sortieren müssen nun
mindestens 32 kByte Speicherplatz frei sein, wenn es bis zu 10666 Datensätze
gibt. Bei mehr Datensätzen muß immer das Dreifache in Bytes an freiem Speicher
zur Verfügung stehen. Dieser Platz wird immer für die Indikatoren gebraucht, da
die Datensätze variabel sind und das Programm entsprechend schnell sein soll.
So gruppiert es nicht die ganzen Datensätze um, sondern führt dies mit den
Indikatorlisten durch. Ein Wort an die Datenbankspezialisten: Es wurde hier der
Mengensor-tieralgorithmus von Knuth, 1973, angewandt. Die
Sortiergeschwindigkeit hängt sehr stark von der Menge an Datensätzen ab und
auch davon, wieviele unterschiedliche Zeichen oder Werte das erste zu
sortierende Feld aufweist. Im Durchschnitt sind folgende Zeiten gemessen
worden: 10000 Datensätze (jeder aus einem Wort bestehend) dauern 2 Minuten,
75000 brauchen dagegen 20 Minuten.
Da alle Datenbankdateien - gemeint sind jene, welche die Feldeinträge aufnehmen
-wie normale Textdateien angelegt sind, läßt sich eine äußerst nützliche
Einrichtung von STEVE auch hier zur Anwendung bringen: das Komprimieren von
Text. So benötigte eine Beispieldatei mit insgesamt 75207 Einträgen 522652
Bytes in komprimierter Form. Sehr schön ist die Angabe des benötigten
Speicherplatzes in einer Dialogbox. So kann man immer prüfen, ob die Kapazität
einer doppelseitigen Diskette noch ausreicht, um den gesamten Datenbestand
komprimiert aufzunehmen. Welcher Komprimieralgorithmus Anwendung findet und wie
er arbeitet, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.
Jetzt kann es natürlich passieren, daß unsere Schallplattensammlung unermeßlich
groß angewachsen ist. Die Kapazität einer Diskette reicht nicht mehr aus (Sie
wollen noch immer keine Festplatte anschaffen?). Dann gibt es eine recht
nützliche Einrichtung, der wir uns fortan bedienen wollen: Kettendateien. Sie
können maximal die Gesamtkapazität der Festplatte ausschöpfen. Die einzelnen
Dateien in der Kette dürfen logischerweise nur so groß sein, daß sie gerade
noch in den freien Arbeitsspeicher hineinpassen. Das Handbuch liefert uns eine
ausführliche Anleitung zur Berechnung:
Dateigröße + Anzahl der Datensätze * 3 +32000 < RAM / 2 oder mit der etwas
handlicheren Formel:
((RAM / 2 - 32000) / (DLD + 3)) * DLD
(DLD heißt durchschnittliche Länge der einzelnen Datensätze.) Beispiel: In
einem l -MByte-RAM-Gerät hätte der Benutzer annähernd 735 kByte zur Verfügung.
Wenn alle Datensätze einer Datei zusammengenommen durchschnittlich 70 Bytes
(Erfahrungswert) lang sind, darf die größte Einzeldatei der Kette bis zu 320000
Bytes enthalten. Beweis:
((735000 / 2 - 32000) / (70 + 3) * 70 = 321712
Die höchstmögliche Anzahl von Kettengliedern ist definiert als (größte Länge
des Suchausdruckes - 44) 14. Diese Länge ist derzeit auf 452 festgesetzt,
wodurch bis zu 102 Kettenglieder bzw. Einzeldateien möglich sind. Wichtig für
alle "Trotzdem-Disketten-Arbeiter": Das Verfahren mit den Kettendateien läßt
sich auch auf eine entsprechende Anzahl von Datendisketten anwenden!
Lassen Sie mich noch einige Feinheiten der STEVE-Datenbank hervorheben, als da
wären: Permutieren, also das Vertauschen einzelner Inhalte eines Datensatzes;
Zusammenfassen gleicher Datensätze; das Feststellen der Häufigkeit bestimmter
Begriffe, um z.B. ein Häufigkeitswörterbuch zu erstellen; oder das Erstellen
einer Rangfolge, was besonders für numerische Inhalte interessant ist. Die
Abteilung Datenbank in STEVE hält darüber hinaus noch viele andere
Sonderfunktionen bei reit, die hier zu besprechen den Rahmen sprengen würde.
Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit, in einem späteren Bericht noch
ausführlicher darauf zurückzukommen. Fazit hierzu: Insgesamt ist die Datenbank
für den Anfänger gewöhnungsbedürftig, aber die ungewöhnlich reiche Auswahl an
Verarbeitungsfunktionen ist erstaunlich. Die Datenbank sucht und sortiert recht
schnell. Mangels Vergleich ist diese Aussage natürlich recht subjektiv.
Die Batch-Befehle
Ein Programm zeichnet sich oft durch leichte Bedienbarkeit aus, weswegen die
Beliebtheit von grafischen Benutzeroberflächen stetig zugenommen hat. Dennoch
ist oft festzustellen, daß ständig die selben oder ähnliche Arbeitsschritte
durchzuführen sind. So wird sich ein Überbleibsel aus der guten alten Zeit der
zeilenorientierten Befehlseingabe (siehe Kommandozeilen-Interpreter und
ähnliche) aller Wahrscheinlichkeit nach in neuere Programme hinüberretten: die
Stapelbefehle. Wenn in der Textverarbeitung sogenannte Textbausteine üblich
geworden sind, machen Batch-Befehle dort einen Sinn, wo nicht tagtäglich mit
der Maus oder irgendwelchen Tastaturkombinationen immer dasselbe von Hand
durchgeführt werden soll (wird ja auf die Dauer langweilig). In STEVE wird
hierzu (wer hätte es wohl anders gedacht) auch wieder eine Systemtabel le
eröffnet, die im | Klartext alle Befehle aufnimmt.
Die Grafik in STEVE
Integraler Bestandteil von STEVE sind zwei (!) Grafik-Editoren, die jeweils
zwei ganz spezifische Aufgaben wahrnehmen. Grafik 1 ist für raffinierte
Operationen wie Schrifterkennung und Font-Erstellung für DTP ausgelegt (darüber
gleich mehr). Bei Grafik 2 dagegen handelt es sich um ein ganz normales
Zeichenprogramm. Unabhängig davon unterschiedet das Programm im Textfenster
zwischen zwei verschiedenen Zeilenarten: der reinen Text- und der Grafikzeile.
Übrigens, Textzeilen lassen sich nachträglich in Grafikzeilen umwandeln, wobei
der Text erhalten bleibt, nur umgekehrt geht das leider nicht. Grafikzeilen
nehmen immer die gesamte Zeile (oder auch mehr) ein, eine gemischte Text
-/Grafik-Zeile ist deshalb nicht möglich. Neben Bildobjekte kann also kein Text
(vom Texteditor her) geschrieben werden, außer man fügt ihn im Grafik-Editor
zusätzlich an.
Da zunächst (d.h. beim Programmstart) der reine Text-Editor präsent ist, muß
STEVE mitgeteilt werden, ob sich zum Geschriebenen auch ein Bild gruppieren
soll. Mit der ESC-Taste schaltet man in den Grafikmodus (des Text-Editors) um.
(Anmerkung: Ich hätte nicht gerade die ESC-Taste mit dieser Funktion belegt, da
sie in anderen Programmen schon fast branchenüblich als "Rettungsanker" oder
"Fluchtweg" bei unklaren Programmzuständen Anwendung findet.) Wenn eine
Grafikzeile zu wenig ist, können Sie durch fortwährendem Druck auf ESC weitere
Zeilen erzeugen. Die eigentliche Grafikarbeit beginnt, wenn der Cursor in einer
solchen Zeile steht. Die unabhängigen Textzeilen gibt es ja nach wie vor (auch
zwischen den Grafikzeilen), sie bleiben von der ganzen Grafikarbeit unberührt!
Ein zweiter Druck auf ESC öffnet eine "andere Welt". Der Grafik-Editor meldet
sich mit einer völlig anderen Menüleiste und einer Dialogbox. Diese Box möchte
gerne wissen, wie groß die Grafik (und damit auch die einzelne Grafikzeile)
werden soll. Eine STEVE-Zeile ist üblicherweise immer 18 Pixel (Bildpunkte)
hoch und ein Zeichen 16 Pixel breit. Es kann in der Box nun ein Vielfaches von
Höhe und Breite gewählt werden. Die maximal mögliche Ausdehung des
Zeichenblattes beträgt in der Breite 16380 Pixel, das sind 1024 Zeichen oder 16
Bildschirme (nebeneinander!).
Jeder, der noch kein Grafikprogramm besitzt und gerne in seinen Texten auch
Bilder einbinden möchte, trägt sich mit dem Gedanken, ob sich dafür die
Anschaffung eines eigenen Programms lohnt. STEVE hält für die Manipulation von
Bildern eine große Palette an Funktionen bereit, die an dieser Stelle leider
nicht sehr ausführlich beschrieben werden können. (Auch hier droht erneut der
Rahmen gesprengt zu werden!) Ein Blick auf Bild Nr. 5 und 6 soll nur einen
kleinen Eindruck dieser Vielfältigkeit vermitteln. Fazit hierzu: Die
Möglichkeiten von Grafik l sind mehr darauf ausgelegt, vorhandene Bilder (das
können auch Zeichensätze sein) zu verändern. So ist alles zu finden von
Spiegeln, Invertieren, Kopieren, Drehen und Verschieben, bis hin zu Vergrößern
und erkleinern.
Grafik 2 ist mehr ein Programm-Modul für neu zu erstellende Grafik. Es
entspricht in seiner Funktionsbreite voll und ganz üblichen Programmen, die
separat angeboten werden. Hervorhebens wert erscheint mir hier die Funktion
Tortengrafik. Es müssen für jedes darzustellende Kreissegment nur die
Prozentangabe eingefügt und die gewünschte Rasterdarstellung ausgesucht werden.
Wertung: brauchbar für alle, die nicht schon ein eigenes Grafikprogramm
besitzen.
Formulare
Eine Mischung von Datenbank und Grafik-Editor und somit eine konsequente
Weiterentwicklung der gesamten STEVE-Philosophie stellt der Formulargenerator
dar. Ein Formular ist ein grafisch erzeugtes Bild (hauptsächlich mit
senkrechten und waagrechten Linien), das später Einträge ähnlich wie bei der
Datenbank aufnehmen soll. So gesehen ist ein Formular sogar eine besonders
gestaltete Bildschirmmaske, allerdings auf einer Grafikseite erzeugt.
Alle Einträge in ein Formular befinden sich aber noch nicht zwangsläufig in der
Form, in der sie später in die Datenbank übernommen werden können. Aber keine
Bange, ein spezieller Trenndurchlauf liest die Texteinträge im Grafikformular
aus und legt sie "datenbankgerecht" ab. Wichtig zu wissen ist, daß es parallel
zur Grafikseite des Formulars eine gleich aufgebaute Systemtabelle gibt, welche
die Plazierung der Einträge steuert.
Ein Weg zu DTP?
Wie wir schon gesehen haben, arbeitet STEVE mit Text- und Grafikzeilen
weitestgehend unabhängig und dennoch parallel zueinander. Dies ist der erste
Weg l zum Desktop Publishing. Es paßt eigentlich gut zusammen: hier Textzeilen,
dort Grafik, die im Grunde genommen unabhängig voneinander sind. Nun wird im
Menüpunkt Layout beides zu einem sinnvollen Ganzen "verschweißt", so daß Text
und Bild als Einheit dastehen. Weitere Arbeitsschritte sind denkbar, z.B
Verschieben, Kopieren usw. Man kennt diese Funktionen aus dem Grafik-Editor,
nur daß jetzt das ganze Arbeitsblatt (also auch der Text) einbezogen wird. In
Verbindung mit entsprechenden Druckertabellen und-treibern ist auch der
Ausdruck des gestalteten Dokumentes in der gewünschten Form leicht möglich.
Wertung: Es muß nicht ein Programm für mehrere Hundert Mark sein, um DTP in
ausreichendem Maße verwirklicht zu sehen. STEVE bietet zwar nicht gerade viele
DTP-Operationen, sie dürften aber im Umfeld der anderen Möglichkeiten (Text,
Grafik, Datenbank) für Durchschnittsanwendungen völlig ausreichend sein.
Schrifterkennung
Eigentlich wollte ich diesen Programm-punktmiteinem üblichen Scanner (EPSON GT
-4000) testen. STEVE unterstützt zur Zeit schon eine reiche Auswahl derselben:
Handy, SPAT, Marvin oder Panasonic. Nun gut - wenn es nicht direkt funktioniert
(meine Schuld, was hab' ich auch einen EPSON), muß es über einen Umweg gehen:
Bild einscannen und abspeichern. STEVE untersucht im Grunde als Bild
vorliegende Dateien auf Ähnlichkeit mit den Zeichensatzdefinitionen. Übrigens:
So funktionieren die derzeit verfügbaren OCR-Programme auch. Muß ich die
Abkürzung "OCR" noch einmal erklären? NEIIIIIN!
Dann hab' ich das Programm überlistet: Ich habe es seine eigenen
Zeichensatzdateien erkennen lassen! Viel passiert dabei nicht, eine erkannte
Zeichenfolge wird lediglich im unteren Bildbereich durch einen anderen
Zeichensatz angezeigt. Zwei Funktionen sind hervorhebenswert: Vergleiche
Schriftbilder, also die normale Schrifterkennung, und Erstelle Font vom Text,
das Neuanlegen unbekannter Schriften in einer Zeichensatzdatei. Aussagen über
die Geschwindigkeit lassen sich mangels Vergleich auch hierzu nicht machen.
Vielleicht kommen wir unter dem Aspekt des zunehmenden Interesses auf das Thema
OCR an anderer Stelle noch einmal zurück. Für STEVE-Kunden ist die Tatsache
wichtig, daß ihr Programm sich auch in dieser Richtung bewegt und für die
Zukunft gerüstet ist.
Wenn sich die Programmierer von STEVE entschließen könnten, die mittlerweile
als Standard durchgesetzte IDC-Scanner-Schnittstelle von der Firma Marvin AG
einzubinden, wäre ein großer Schritt zu mehr Kompatibilität getan.
Handbuch
Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, die Seiten des Handbuchs genau zu zählen,
schätzungsweise sind es ca. 280. Es ist eine Wahnsinnsfülle an Informationen
über STEVE, ausführlich und mit vielen Beispielen erklärt. An vielen Stellen
habe ich gemerkt, daß die Möglichkeiten des Programms sogar den Rahmen des
Handbuchs sprengen. Wer etwas experimentierfreudig ist, wird leicht den weniger
ausführlich behandelten Funktionen auf die Schliche kommen. Bilder mit
Beispielen, Dialogboxen und Menüpunkten machen das Handbuch sehr übersichtlich.
Außerdem sind die Kapitel streng strukturiert. Übrigens: Das Handbuch wurde
ausschließlich in STEVE geschrieben und macht einen ordentlichen Eindruck.
Abschließende Beurteilung
Es tut mir schon fast weh, dem Bericht (und damit auch dem Programm) einen
abschließenden Stempel aufdrücken zu müssen. Entgegen der Gepflogenheiten in
der Testerbranche habe ich mich eine sehr lange Zeit (14 Tage - ehrlich wahr,
großes Indianerehrenwort!) mit STEVE beschäftigt und den Eindruck gewonnen, daß
uns hier ein Werkzeug gegeben ist, das viele Anwender nicht für möglich
hielten. Schade, daß STEVE aus dem Mittelpunkt des (Kauf-)Interesses etwas
verschwunden ist - es ist ein großartiges Programm. Ich muß aber die Schuld (es
folgt eine private Meinung), daß es um STEVE zur Zeit still geworden ist, auch
der Firma Kieckbusch anlasten, die nicht mit der nötigen Werbe-Power ein
ausgesprochen vielfältiges Produkt unterstützt hat. Ich hoffe sehr, daß es bald
anders wird!
Das Fehlen einer GEM-Oberfläche ist kein Beinbruch, und wenn man lange genug
mit STEVE arbeitet, vermißt man sie nicht mehr. Mir hat die Arbeit mit STEVE
großen Spaß gemacht. Und wenn wir uns die Preisfrage stellen, muß ich ehrlich
sagen: Mit 498 DM gesellt sich das Programm zu Konkurrenten, denen es an
Ausstattungsmerkmalen weit überlegen ist. STEVE mit Schrifterkennung kostet
1398 DM, was mir im Moment nicht ganz einleuchtet, denn so überwältigend waren
die OCR-Funktionen (mangels Vergleich mit anderen Programmen) nicht. Dennoch
gehört das Grundprogramm (ohne OCR) auf jeden Fall in die Händlerregale; wer
noch keine entsprechenden Programme angeschafft hat, sollte durchaus mit STEVE
liebäugeln.